Bergler Energie

Bergler Ratgeber · Strommarkt · Juli 2026

Strommarkt Schweiz 2026: Day-Ahead, Spotpreise, Mechanik

Der Day-Ahead-Markt ist seit 2026 das Preisrückgrat der Schweizer Stromwirtschaft. Hier findest du die Live-Spotpreise stündlich aktualisiert, ein erklärendes Drei-Szenarien-Modell zu negativen Spotpreisen, die rechtliche Einordnung und einen Ausblick auf die vom Bundesrat beschlossene Umstellung vom Quartalsdurchschnitt auf den stündlichen Spotmarktpreis per 1.1.2027.

Live-Day-Ahead-Preise (Schweiz)

Die folgenden Preise stammen direkt aus der ENTSO-E-Day-Ahead-Auktion für das Marktgebiet Schweiz. Die Auktion findet jeweils am Vorabend (bis 12:00 D-1) statt; gehandelt werden alle 24 Stunden des Folgetags. Klick auf eine Stunde öffnet den Marktrückblick mit Drill-down über Tag, Woche, Monat und Jahr.

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Wer trägt die Kosten? Drei Szenarien

Was passiert, wenn der Marktpreis unter die gesetzliche Mindestvergütung fällt, oder negativ wird? Die folgende Drei-Szenarien-Visualisierung zeigt die Geldflüsse zwischen Produzent, lokalem Elektrizitätswerk und Markt.

Was passiert bei negativen Spotpreisen?

Wer trägt die Differenz, wenn der Marktpreis unter die Mindestvergütung fällt, oder negativ wird? Klick durch die drei Szenarien.

z. B. Sommermittag
Produzent
erhält
6 Rp./kWh
Lokales EW
Differenz EW
−3 Rp./kWh
Strombörse (Vorlieger)
verkauft für
3 Rp./kWh
Bilanz

Mindestvergütung greift, da Marktpreis tiefer. Das EW trägt die Differenz von 3 Rp./kWh, soweit nicht über die Anrechenbarkeit der Beschaffungskosten in der Grundversorgung gedeckt (Art. 4 Abs. 3 StromVV).

Mit dem stündlichen Spotmarktpreis ab 1.1.2027

Mit der Umstellung auf den stündlichen Spotmarktpreis per 1.1.2027 (Bundesratsentscheid vom 27.5.2026) wird das Preissignal direkt: Negative Marktpreise werden direkt an den Produzenten weitergegeben (bei Anlagen über 150 kWp ohne Mindestvergütung sowieso, bei kleineren Anlagen via Quartalsprämie ausgeglichen). Damit entsteht für alle Beteiligten ein Anreiz, Strom dann einzuspeisen, wenn er gebraucht wird: durch Eigenverbrauchsoptimierung, Speicher oder lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG).

Rechtliche Einordnung negativer Spotpreise

Häufige Fragen zum Strommarkt

  • Was ist der Day-Ahead-Markt?

    Eine Auktion an der europäischen Strombörse EPEX SPOT, in der Strom für die 24 Stunden des Folgetags gehandelt wird. Die Auktion schliesst jeweils um 12:00 Uhr (CET) am Vortag. Danach steht der Preis für jede Stunde des Folgetags fest. In der Schweiz ist dieser Preis seit 2009 die zentrale Marktreferenz; seit 1.1.2026 ist der daraus abgeleitete Referenz-Marktpreis auch die gesetzliche Vergütungsbasis (Art. 15 EnG).

    Quelle: Art. 15 EnG (SR 730.0); Art. 15 EnFV (SR 730.03); EPEX SPOT

  • Wie unterscheidet sich Day-Ahead vom Intraday-Markt?

    Day-Ahead ist der Hauptmarkt: Eine geschlossene Auktion pro Tag, mit einem Preis pro Stunde, am Vorabend festgelegt. Intraday läuft fortlaufend während des Liefertags und dient der Feinjustierung von Prognoseabweichungen: Wind- und Solarprognosen werden präziser, Kraftwerksausfälle werden ausgeglichen. Für die gesetzliche Einspeisevergütung in der Schweiz ist ausschliesslich der Day-Ahead-Preis massgebend.

    Quelle: Art. 15 EnFV; ENTSO-E Transparency Platform

  • Was ist der Referenz-Marktpreis und wie wird er berechnet?

    Der Referenz-Marktpreis ist der nach tatsächlicher viertelstündlicher Einspeisung gewichtete Durchschnitt der Day-Ahead-Preise im Marktgebiet Schweiz, separat für PV, Wasser, Wind und Biomasse. Er wird vom Bundesamt für Energie (BFE) quartalsweise publiziert, in der Praxis bis spätestens zum 10. Werktag nach Quartalsende.

    Quelle: Art. 15 EnFV (SR 730.03), BFE

  • Warum gehen Spotpreise manchmal ins Negative?

    Wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt und gleichzeitig konventionelle Kraftwerke nicht weiter heruntergefahren werden können (Mindestlast, Vorlaufzeiten), erscheinen negative Gebote. Erzeuger zahlen dann faktisch dafür, einspeisen zu dürfen, typischerweise an sonnigen Sommermittagen mit gleichzeitig hoher Wind- und Wasserkraft-Einspeisung in den umliegenden Ländern. Negative Stunden sind im Schweizer Marktgebiet seit 2020 regelmässig zu beobachten und nehmen mit dem PV-Zubau zu.

    Quelle: ENTSO-E Transparency Platform, BFE

  • Wann wechselt die Einspeisevergütung auf den stündlichen Spotpreis?

    Per 1. Januar 2027. Der Bundesrat hat am 27.5.2026 entschieden, dass die Einspeisevergütung vom vierteljährlich gemittelten Referenz-Marktpreis auf den stündlichen Day-Ahead-Spotpreis zum Zeitpunkt der Einspeisung wechselt. Ursprünglich war der 1.7.2026 vorgesehen. Damit wird der Strom in beide Richtungen zum gleichen stündlichen Marktpreis bewertet. Die Mindestvergütung für Anlagen <150 kW bleibt; sie wird neu als Quartalsprämie ausgeglichen. Für Netzbetreiber ohne intelligente Messsysteme gilt eine Übergangsfrist von einem Jahr.

    Quelle: Bundesratsentscheid vom 27.5.2026 zur Revision der Energieverordnungen

  • Bin ich als Anlagenbetreiber direkt negativen Preisen ausgesetzt?

    Es kommt auf Anlagengrösse und Förderschiene an. Anlagen bis 150 kWp sind über die gesetzliche Mindestvergütung (Art. 12 EnV) abgesichert. Anlagen über 150 kWp mit GMP-Auktion bleiben durch den Vergütungssatz geschützt. Anlagen über 150 kWp ohne GMP und Direktvermarkter sind dem stündlichen Spotpreis direkt ausgesetzt. Bei individuellen Vereinbarungen mit dem VNB empfehlen wir vertraglich eine Untergrenze von 0 Rp./kWh.

    Quelle: Art. 12 EnV, Art. 15 EnG; Bergler Energie Beratungspraxis

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